Bein - Material und Restaurierung

Bein, meist Kochen von Rindern, lässt sich trotz der Härte und Sprödigkeit des Materials drechseln, schnitzen und hochglänzend polieren, womit eine dem Elfenbein täuschend ähnliche Optik erzielt werden kann.

Im 17. und 18. Jh. Jahrhundert war Süddeutschland das Zentrum dieser Erzeugnisse aus Bein, besonders die Mikroschnitzereien und Miniaturdrechselarbeitensind in zahlreichen berühmten Kunstkammern nachweisbar. Trotz ihres geringen Materialwertes waren die äußerst filigranen, kuriosen Gebilde geschätzte und begehrte Sammelobjekte.

Aufgrund ihrer Zartheit und Zerbrechlichkeit sind die äußerst empfindlichen geschnitzten und gedrechselten Kunstwerke heute nur noch in wenigen Sammlungen erhalten.

Beinfiligran, unbekannter KÜnstler, SÜddeutschland, wohl Berchtesgaden, um 1690

Bein (Rinderknochen) Papier, wasserlösliche Farben, Goldbronze

Esterházy Privatstiftung, Sammlungen der Fürsten Esterházy, Burg Forchtenstein, Österreich, Archiv Nr. K 92

Zustand vor der Restaurierung

In jahrhundertelanger Verwahrung haben sich in der Schatzkammer der Fürsten Esterházy auf der Burg Forchtenstein in Österreich eine beträchtliche Anzahl dieser Filigranarbeiten nahezu komplett erhalten. Das Schadensbild zeigt Verschmutzung durch Staub sowie eine Versprödung des Glutinleims.

Detail während der Restaurierung

Die Bekrönung des Beinfiligrans verdeutlicht die Winzigkeit der aus zahlreichen einzelnen Elementen höchst phantasievoll zusammengesetzten Ornamentik.

Zustand nach der Restaurierung

Das Beinfiligran präsentiert sich nach der Reinigung und Neuverleimung der Einzelelemente wieder in leuchtendem Weiß, das dem Betrachter damals wie heute suggerieren möchte, ein Kunstwerk aus Elfenbein vor sich zu haben.


DrechselstÜck Schreibzeug, SÜddeutschland, wohl Berchtesgaden, um 1690

Bein (Rinderknochen), Horn

Esterházy Privatstiftung, Sammlungen der Fürsten Esterházy, Burg Forchtenstein, Österreich, Archiv Nr. K 394

Zustand vor der Restaurierung

Aufgrund der starken Versprödung des Glutinleims war nahezu die gesamte aus winzigen einzelnen Ringen zusammengesetzte Ornamentik auseinandergefallen.

Maßnahmen

Die noch im Rahmen des Gehäuses befindlichen Ornamentanordnungen dienten als Orientierung für die Rekonstruktion der Dekore aus der vorliegenden Fülle einzelner Ringelemente. Nach der Reinigung wurden die Rahmenkonstruktion und Ringe neu verleimt.

Zustand nach der Restaurierung

Das wieder hergestellte blütenweiße Schreibzeug ist in seiner zarten, äußerst phantasievoll gestalteten Ornamentik in der Schatzkammer auf der Burg Forchtenstein zusammen mit weiteren Filigranarbeiten zu sehen.

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