Elfenbein - Material und Restaurierung

Elefantenelfenbein sowie elfenbeinähnliche Zähne anderer Tiere zeichnen sich durch eine hohe Dichte, Homogenität und eine geringe Mohs-Härte aus.Aufgrund dieser Eigenschaften lassen sich alle genannten Zahnarten hervorragend mit verschiedenen Techniken bearbeiten. Sie eignen sich zum Schnitzen, Gravieren, Drechseln und Sägen, die Oberflächen können hochglänzend poliert werden.Das hygroskopische Material reagiert mit Quellen und Schwinden auf Veränderungen der Luftfeuchtigkeit, so dass Schäden wie Risse und Verwerfungen entstehen können. Die Restaurierung von Elfenbein umfasst das Reinigen, neue Zusammenfügen gelöster Teile, sowie Ergänzungen.

Raub der Proserpina von Simon Troger, vor 1751

Kombinationsgruppe aus Elfenbein und verschiedenen Hölzern (Schlangenholz, Nussbaum, Palisander).

Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Grünes Gewölbe, Inv. Nr. II 247

Zustand vor der Restaurierung

Die Kombinationsgruppe aus Elfenbein und Holz war während der Auslagerung im 2. Weltkrieg stark zerstört worden. Aufgrund ungeeigneter Aufbewahrungs- und Klimabedingungen hatten sich nahezu alle Verbindungen der zusammengesetzten Teile gelöst. Das Kunstwerk lag stark verschmutzt in annähernd 400 Einzelteilen vor.

Maßnahmen

Anhand einer Originalaufnahme vor der Zerstörung und einer nahezuidentischen Gruppe des Künstlers Simon Troger im Bayerischen Nationalmuseum in München konnte das Objekt rekonstruiert werden. Die Restaurierung beinhaltete die Reinigung, Zusammenfügen aller Einzelteile sowie die Neuanfertigung abhanden gekommener Holzteile( in Zusammenarbeit mit Elisabeth Aust, Holzrestauratorin Dresden, Thomas Jäger, Bildhauer und Holzrestaurator Dresden).

Zustand nach der Restaurierung

Das restaurierte Kunstwerk präsentiert sich an seinem originalen Standort im Residenzschloss Dresden im Historischen Grünen Gewölbe.


Architekturmodell eines SÄulentempels, wohl Erbbprinz Wilhelm IX. von Hessen Kassel,
um 1760/1770, Kopenhagen oder Hanau

Elfenbein, Ebenholz, Holz, Eisen

Museumslandschaft Hessen Kassel, Hessisches Landesmuseum Kassel,
Sammlung Angewandte Kunst, Inv. Nr. B VI 250

Zustand vor der Restaurierung

Das außergewöhnliche aus 636 gedrechselten Einzelelementen zusammengesetzte Modell eines Säulentempels befand sich in einem extrem instabilen Zustand. Zahlreiche Klebungen zwischen den einzelnen Elfenbeinteilen hatten sich gelöst, die dünnen Elfenbeinplatten der Deckplatte waren verwölbt und hatten sich aus der Konstruktion gelöst. Die stark verschmutzte Elfenbeinoberfläche sowie vergilbte klebstoffrückstände früherer Restaurierungsversuche beeinträchtigten das Erscheinungsbild

Maßnahmen

Die starke Versprödung des Leimes erforderte eine komplette Demontage des Kunstwerks. Die gereinigten Einzelteile wurden schrittweise wieder aufgebaut und neu verleimt. Die verwölbten Deckplatten konnten rückgeformt werden und somit die Gesamtkonstruktion des Architekturmodells wieder geschlossen werden.

Zustand nach der Restaurierung

Das Modell präsentiert sich nach der Restaurierung aufgrund der in größter Perfektion gearbeiteten Konstruktion wie aus einem Stück gearbeitet. Der Säulentempel wird nach der Wiedereröffnung des derzeit geschlossenen Landesmuseums im Jahr 2014 wieder in der Ausstellung zu besichtigen sein.


METEOROLOGISCHES INSTRUMENT, „WETTER-MASCHINE“ ,
PYRAMIDE MIT THERMOMETER UND BAROMETER, wohl Dieppe, UM 1730

Holz mit Farbfassung und Polimentvergoldung, Messing, Eisen, Glas, Elfenbein weiß, Elfenbein farbig gefasst, Glas, Aquarellmalerei auf Karton, getrocknetes Moos, Gipsmasse farbig gefasst.

Museumslandschaft Hessen Kassel, Sammlung Astronomisch Physikalisches Kabinett,
Inv. Nr. APK V 937

Meteorologische Instrumente aus dem frühen 18. Jahrhundert sind in den zahlreichen Sammlungen Europas nur noch selten vorhanden. Eine Rarität stellen filigrane Kunstkammer-Instrumente wie diese „Wetter-Maschine“ dar. Die Bezeichnung „ Wetter-Maschine“ beschreibt ein Instrument, welches mehrere physikalische Größen misst. Das vorliegende Instrument misst die Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck. Die Temperaturskala auf dem Elfenbeinblättchen weist in französischer Sprache eine nahezu identische Beschriftung auf wie ein um 1760 datiertes Thermometer im Chateau Musée de Dieppe, Frankreich.

Zustand vor der Restaurierung

Die Pyramide zeigt sich im Zustand vor der Restaurierung in sehr desolatem Zustand. Bei einer 1949 vorgenommenen Wiederinstandsetzung des kriegszerstörten Objektes wurde das ehemals farbig gefasste Gehäuse mit einer dicken Schicht Kreidegrund überstrichen. Die beschädigte Polimentvergoldung wurde an zahlreichen Stellen mit Goldbronze ausgebessert. Im Inneren der beiden verglasten Gehäuse hat sich Feuchtigkeit gesammelt und auf den Glasoberflächen niedergeschlagen. Die gläserne Temperaturskala ist zerbrochen, es fehlen einige der filigranen Elfenbeinbesätze. Das gesamte Kunstwerk ist stark verschmutzt, selbst die elfenbeinernen Miniaturschnitzereien im Inneren der verglasten Gehäusekästen.

Maßnahmen

Eine umfassende Restaurierung erfordert die Öffnung der beiden verglasten Gehäusekästen. Die äußerst filigranen Miniaturschnitzereien aus farbig gefasstem Elfenbein sowie die Verglasung innenseitig können nach erfolgter Öffnung gereinigt werden. Es werden alte Klebstoffreste und Kittmassen und Übermalungen entfernt. Die originale Farbfassung des Holzkorpus auf der Außenseite soll freigelegt und wieder hergestellt werden, ebenso die Vergoldung. Die fein geschnitzten Elfenbeinbesätze am Gehäusekasten müssen demontiert, gereinigt und neu aufgebracht werden. Das harmonische, ausgewogenen Farbspiel zwischen der äußeren Fassung und der im Inneren vorhanden farblichen Gestaltung kann nach Abschluss der Restaurierung wieder zur vollen Entfaltung kommen.


Kokosnußpokal mit Fuß und DeckelbekrÖnung aus Elfenbein,
SÜddeutschland, 1. HÄlfte 17. Jh.

Elfenbein, Kokosnuss

Museumslandschaft Hessen Kassel, Hessisches Landesmuseum Kassel,
Sammlung Angewandte Kunst, Inv. Nr. B VI. 112

Zustand vor der Restaurierung

Der aus 188 winzigen gedrechselten Einzelteilen bestehende Aufsatz des Pokals lag stark verschmutzt in zahlreichen Einzelteilen vor, einige Blüten und Bekrönungsspitzen waren bereits in früherer Zeit verloren gegangen. Aufgrund der stark versprödeten Verleimungen war die gesamte Konstruktion des Pokals instabil geworden.

Maßnahmen

Die Bekrönung und der Fuß wurden aufgrund der starken Verschmutzung und der geringen Haftung der Verklebungen komplett in alle Einzelteile demontiert, gereinigt und neu verleimt.

Zustand nach der Restaurierung

Nach der Reinigung und Neuverleimung werden die Perfektion und die ebenso raffinierte wie filigrane Konstruktion des Pokals wieder in ihrer ganzen Schönheit sichtbar.

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