Porzellan - Material und Restaurierung

Seit jeher galt das „Weiße Gold“ als äußerst geschätzte, wertvolle Kostbarkeit, lange vor der Erfindung dieses begehrten Materials in Europa 1708 durch Johann Friedrich Böttger.

In allen Kunstkammern und Schatzkammern sammelte man die erst die ostasiatische und später auch die europäische zerbrechliche Ware.

Die Restaurierung des aus Kaolin, Quarz und Feldspat bestehenden Materials umfasst die Entfernung von Altrestaurierungen, Klebungen, Herstellen von Ergänzungen und Retuschen.
Die Schwierigkeit besteht in der Erzielung der Transparenz und Tiefenwirkung der durchscheinenden Glasuren.

Die fürstlichen Sammlungen der hessischen Landgrafen umfassten unter zahlreichen anderen Schätzen eine enorme Sammlung ostasiatischer Porzellane. Der im 2. Weltkrieg stark zerstörte Bestand wurde bis 1990 in großen Teilen restauriert.

Stangenvase mit PflanzengefÄssen, China, 1. Viertel 18. Jh, Imari-Stil

Porzellan, Unterglasur-Kobaltblau und Aufglasurfarben Eisenrot und Gold

Museumslandschaft Hessen Kassel, Hessisches Landesmuseum Kassel,
Sammlung Angewandte Kunst, Inv. Nr. OP 207

Zustand vor der Restaurierung

Die hohe formschöne Stangenvase ist im oberen Drittel zerbrochen, ein großer Scherben fehlt.

Maßnahmen

Nach der Klebung der zerbrochenen Teile erfolgt das Schließen der Fehlstelle. Anschließend wird in mehreren Schichten die Glasur und Bemalung gemäß dem Aufbau der originalen Herstellungstechnik vorgenommen.

Zustand nach der Restaurierung

Die Fehlstelle ist optisch dem reichen farbigen Dekor entsprechend geschlossen, so dass die
Eleganz der Form und die florale Bemalung ohne Beeinträchtigung fehlender Flächen wahrgenommen werden kann.


Teller mit Hahn und PÄonie, China, 2. Viertel 18. Jh., Famille Rose

Porzellan, Unterglasur- Kobaltblau, Aufglasurfarben in Rosa, Grün, Gelb, Aubergine, Rot, Braun und Gold

Museumslandschaft Hessen Kassel, Hessisches Landesmuseum Kassel,
Sammlung Angewandte Kunst, Inv. Nr. 0P 239 f

Zustand vor der Restaurierung

Ein großer Scherben ist aus dem Randbereich des reich dekorierten, vielfarbigen Tellers herausgebrochen und fehlt.

Maßnahmen

Durch Abformung an einer intakten Stelle des Tellers wird die Form zur Ergänzung der Fehlstelle gewonnen. Anschließend wird auf dem weißen Untergrund in mehreren Schichten die Glasur und Bemalung gemäß dem Aufbau der originalen Herstellungstechnik vorgenommen.

Zustand nach der Restaurierung

Für den Betrachter ist die Ergänzung und Retusche nur bei sehr genauer Betrachtung erkennbar. Der Teller präsentiert sich mit seinem üppigen farbenprächtigen Dekor in geschlossener Form.


Majolika - Material und Restaurierung

Der Begriff Majolika bezeichnet farbig bemalte zinnglasierte italienische Keramik, die sich durch einen meist gelblich bis rötlichen Scherben und leuchtende Glasurfarben auszeichnet.
Bereits im 15. Und 16.Jh. erfreuten sich diese prächtigen farbigen Kostbarkeiten großer Beliebtheit und wurden in zahlreichen Kunstkammern gesammelt.

Die Restaurierung dieser Keramikgattung umfasst die Entfernung von Altrestaurierungen, Klebungen, Herstellen von Ergänzungen und Retuschen.

Teller mit Frau und FÜllhorn, Venedig, um 1550

Majolika, gelblicher Scherben mit weißer Zinnglasur und Bemalung in Scharffeuerfarben Kupfergrün, Antimongelb, Kobaltblau und Manganviolett

Museumslandschaft Hessen Kassel, Hessisches Landesmuseum Kassel,
Sammlung Angewandte Kunst, Inv. Nr. B XII. 67

Zustand vor der Restaurierung

Der Teller, wohl aus der Sammlung des Landgrafen Carl von Hessen-Kassel (1670 – 1730), zeigt zahlreiche Spuren einer lange zurückliegenden Altrestaurierung. Das derzeitige Erscheinungsbild ist geprägt von Verstaubung, vergilbtem Klebstoff und Resten von Ergänzungen.

Maßnahmen

Zu einer umfassenden Restaurierung wurden die alten Klebungen gelöst, ehemalige Retuschen und Reste früherer Ergänzungsmaterialien entfernt. Nach der Reinigung und Neuverklebung wurden die fehlenden Teile ergänzt und farbig dem Dekorverlauf entsprechend retuschiert.

Zustand nach der Restaurierung

Die leuchtenden Farben der gekonnt schnell hingeworfenen Bemalung kommen wieder in ihrer ganzen Intensität zur Geltung. Die retuschierten Ergänzungen der fehlenden Flächen ermöglichen eine ungestörte Betrachtung der Darstellung.


Fayencen - Material und Restaurierung

Der Begriff Fayence bezeichnet eine Keramikgattung mit einem hellen porösen Scherben, der von einer weißen zinnoxidhaltigen Glasur überzogen ist. Diese weiße Grundglasur ist mit Scharffeuerfarben in Kobaltblau aber auch farbig bemalt. Die ersten in Europa produzierten Fayencen imitierten ostasiatische Dekore und erzielten durch große technische Könnerschaft eine täuschende Ähnlichkeit mit ostasiatischen Porzellanen.

Die Restaurierung von Fayencen umfasst die Entfernung von Altrestaurierungen, Klebungen, Herstellen von Ergänzungen und Retuschen.

Fayence, grosse Deckelvase, Fayencemnufaktur Frankfurt, um 17oo

Fayence, weiße Glasur mit Zinnoxid, Bemalung mit Scharffeuerfarben in Kobaltblau,

Historisches Museum, Frankfurt am Main, Dauerausstellung „Sammler und Stifter“, Inv. Nr. Ke 355

Zustand vor der Restaurierung

Die prächtige große Fayencevase stammt aus der Sammlung des Fabrikanten Wilhelm Kratz (1873 – 1945), der mit großer Kennerschaft eine herausragende Sammlung früher Frankfurter Fayencen zusammentrug. 1952 erwarb das Historische Museum diesen umfangreichen Bestand. Die lange im Depot verborgene Sammlung wurde anlässlich der Wiedereröffnung des Museums 2012 umfangreich restauriert.

Die Vase zeigt zahlreiche Altrestaurierungen, die aufgrund nicht beständiger Materialien jetzt entfernt werden müssen. Die Ergänzung der großen klaffenden Fehlstelle am Gefäßrand war herausgebrochen, die Retusche stark nachgedunkelt und verfärbt.

Maßnahmen

Die in Form und Material noch gut erhaltene Ergänzung werden neu eingepasst und verklebt.
Die alte vergilbte Retusche aus Ölfarben wird entfernt und eine neue Retusche mit licht- und alterungsbeständigen Acrylfarben aufgebaut. Die zahlreichen weiteren alten Retuschen werden in dieser Weise erneuert.

Zustand nach der Restaurierung

Die kostbare Vase, ein Zeugnis der Bewunderung und Nachahmung ostasiatischer Porzellane, ist nun ohne störende, verfremdende Retuschen und Übermalungen zusammen mit zahlreichen weiteren Fayencen der Sammlung Wilhelm Kratz in einem dem Stifter gewidmeten Raum zu sehen.

Impressum